Private oder gesetzliche Krankenversicherung? Worin unterscheiden sie sich?

Juni 27, 2018

Wer darf sich überhaupt wie versichern?

Jede Person mit Wohnsitz in Deutschland muss eine Krankenversicherung haben. Selbstständige, Freiberufler, Beamte und Studenten können sich unabhängig von ihrem Einkommen privat oder gesetzlich versichern. Arbeitnehmer ab einem Jahreseinkommen von 54.900€ haben ebenfalls die Qual der Wahl. Lediglich Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen bis 49.500€ sind gesetzlich pflichtversichert.

Grundsätze in GKV und PKV

Unterschieden werden vier Leistungsbereiche:

  • Ambulante Behandlungen (Hausarzt, HNO, Internist, Sehhilfen, Heilpraktiker, etc)
  • Stationäre Behandlungen (Krankenhaus, Kur, Wahlarzt, Mehrbettzimmer etc.)
  • Zahnärztliche Behandlungen (Zahnersatz, Inlays, Zahnreinigung etc.)
  • Pflege (Gesetzliche Pflege, Pflegegelder, Pflegeleistungen)

Wo empfängt der Versicherte die umfangreicheren Leistungen?

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) punktet durch Wahlprogramme, beinhaltet aber versteckte Selbstbeteiligungen.

Die gesetzliche Grundversorgung ist vergleichbar mit dem privaten Basisschutz und umfasst unter anderem die Behandlung durch einen diensthabenden Arzt im Krankenhaus, sowie die Unterbringung in einem Mehrbettzimmer. Nach SGB V werden alle „Leistungen nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot“ bezahlt. D.h. im Grunde alles, was zum Überleben notwendig ist. Optional sind in der GKV Bonusprogramme, Gesundheitskurse und Kurzzuschüsse. In allen oben genannten Bereichen muss man im Krankheitsfall allerdings mit eigenen Zuzahlungen rechnen. Für Medikamente, alternative Heilmethoden, Krankenhausaufenthalte, Transportkosten und insbesondere beim Zahnarzt und für den Fall der Pflegebedürftigkeit. Zudem werden die Leistungen seit Jahren kontinuierlich gekürzt, ohne dass man Einfluss darauf hat.
Um dem entgegenzuwirken bleibt nur der Abschluss einer Privaten Krankenzusatzversicherung. Die verhält sich dann ähnlich wie die Private Vollversicherung.

Individueller Schutz durch die private Krankenversicherung (PKV).

Zusatzversicherungen sind für privat Krankenversicherte nicht nötig. Wie in einem Baukastensystem kann man sich in der PKV aus den vier oben genannten Bausteinen seinen individuellen Schutz zusammenstellen. Ob man einen Wahlarzt wünscht, im Einbettzimmer liegt, das Pflegeheim komplett bezahlt wird, anstelle vom Amalgam lieber Keramikzähne hat bleibt jedem selbst überlassen. Auch gibt es Selbstständige, denen der Basisschutz der GKV reicht. Auf jeden Fall sind die gewählten Leistungen vertraglich garantiert! Und entgegen der mehrheitlichen Meinung kann man sich seinen Beitrag weitestgehend selbst bestimmen, sei es durch festgelegte Selbstbeteiligungen, Beitragsrückerstattungen, wenn man gesund ist, oder eine freiwillige Zusatzleistung, damit man im Alter einen geringen Beitrag hat.

Welche Kosten entstehen dem Versicherten?

Die Beiträge von der GKV und PKV werden mit ca. 50% vom Arbeitgeber bezuschusst. Selbstständige tragen ihren Beitrag selbst. Dieser liegt in der GKV bei etwa 780€ mtl., in der PKV ist er abhängig vom Leistungspaket. Unserer Erfahrung nach spart sich ein 30-jähriger bei ähnlichen Leistungen etwa 450€ im Monat, wenn er sich für die PKV entscheidet. Selbst mit den besten Leistungen und Zusatzbausteinen, dass er im Alter unter 300€ zahlen muss, kommt er in der Regel über den gesetzlichen Beitragssatz nicht hinaus.
Erst ab dem vierten Kind wird es übrigens in der PKV teurer als in der GKV, da hier alle Kinder kostenfrei mitversichert sind.

Kann man einfach zwischen der privaten und gesetzlichen KV hin und her wechseln?

Nein. In die PKV kommt nur jemand, der nachweislich keine große Krankheitsgeschichte vorweisen kann. Die GKV nimmt jeden. Der Gesetzgeber will aber vermeiden, dass die Versicherungsnehmer sich in jungen Jahren für die preiswertere PKV entscheiden, um dann im Alter von der GKV zu profitieren. Dies passiert meist bei jungen Selbstständigen, die keine Rückstellungen für´s Alter aufgebaut haben. Damit man von der PKV wieder zur GKV wechseln kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden und ist nur in Ausnahmefällen tatsächlich ratsam.

Der GKV kann jeder bis zum 55. Lebensjahr beitreten, wenn sein Bruttoeinkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt. Die JAEG beträgt aktuell 59.400€. Dies gilt auch für Angestellte, die nebenberuflich selbstständig sind.

Welche Krankenversicherungsart ist die Bessere?

Egal wie man es dreht und wendet. Die bessere Krankenversicherung ist die PKV. Sowohl die Leistungen, als auch die Beiträge können individuell für jeden einzelnen berechnet werden. Diese sind zudem bei vielen Gesellschaften veränderbar und können somit auf die sich verändernden Lebensumstände angepasst werden. Außerdem sind die Leistungen garantiert und die Beiträge steigen weniger als in der GKV. Jeder, der die Wahl hat sollte sich für die PKV entscheiden – wichtig ist in diesem Bereich eine eingehende Auseinandersetzung mit der Thematik mit einem speziellen Fachmann.